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„Wir müssen nicht den Menschen reparieren, sondern das System“
Sabrina Artinger, Axel Ockenfels, and Karen Horn
2026. Perspektiven der Wirtschaftspolitik, Special Issue.
Karen Horn führt ein Gespräch mit den beiden Gastherausgebern des Sonderhefts der Perspektiven der Wirtschaftspolitik über Institutionen, Mensch und Staat. Sabrina Artinger, vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, kommt aus der Praxis und Axel Ockenfels, Verhaltensökonom und Gründungsdirektor der Adenauer School of Government in Köln, vertritt die Wissenschaft. Dadurch baut das Gespräch selbst die Brücke zwischen Praxis und Wissenschaft, um die es inhaltlich geht. Kernbotschaft ist ein Perspektivwechsel hin zu bürgerzentrierter Politik: Nicht der vermeintlich fehlerhafte Mensch soll korrigiert, sondern Institutionen und Regeln klüger ausgestaltet werden, wobei menschliches Verhalten nicht bloß Hindernis ist, sondern auch ermöglichend sein kann. Artinger und Ockenfels betonen beide die „letzte Meile“ im Kontext der bürgerzentrierten Perspektive, um wirtschaftspolitische Wirkung durch bewusste Einbindung der Menschen zu Verstehen. Im Ausblick wird auf die Frage geblickt, wie Mensch, Institution und Digitalisierung künftig zusammenspielen, insbesondere vor dem Hintergrund maschineller Entwicklung und KI.
Verhaltensforschung in der Politik
Sabrina Artinger and Axel Ockenfels
2026. Perspektiven der Wirtschaftspolitik, Special Issue.
Das Editorial von Sabrina Artinger und Axel Ockenfels rahmt das Sonderheft der Perspektiven der Wirtschaftspolitik ein und stellt den Aufstieg der Verhaltensforschung in der Politik dar. Sie bedingte so einen Wandel hin zu einer bürgerzentrierten Perspektive, das heißt nicht mehr der Mensch soll an bestehende Systeme angepasst werden, sondern Institutionen so gestaltet sein, dass Menschen und Organisationen darin gut entscheiden, handeln und kooperieren können. Verhaltensforschung und Institutionendesign greifen dabei ineinander, während Digitalisierung als neuer Faktor große Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich bringt. Vor diesem Hintergrund wird im Ausblick betont, die günstigen Voraussetzungen für engere Zusammenarbeit von Verhaltensforschung, Politik und Praxis zu nutzen, beispielsweise in neuen Strukturen wie Governance Labs. Dessen Erfolg muss sich jedoch letztlich in der konkreten Umsetzung erweisen.
Globaler Klimaschutz braucht reziproke Kooperation
Axel Ockenfels and Michael Pahle
2025. Wirtschaftsdienst, 105(12), 854-855.
Auch wenn positive Entwicklungen zu verzeichnen sind, ist das Gesamtergebnis der COP30 ernüchternd. Die Verhandler schafften es auch im zehnten Jahr des Pariser Abkommens nicht, die fossilen Energieträger als Problem auch nur zu benennen, geschweige denn eine Abkehr oder gar einen Ausstieg zu planen. Auch andere Entwicklungen – insbesondere der Austritt der USA aus dem Abkommen – haben aufgezeigt, wie herausfordernd die Erreichung globaler ambitionierter Klimaschutzziele ist. Angesichts der immer größer werdenden Ziellücke und dem nachlassenden Momentum nationaler Klimaschutzanstrengungen (IEA, 2025) wird offensichtlich, dass ein globales Temperaturziel nicht allein durch die Kooperationsarchitektur des Abkommens – nämlich freiwillige nationale Selbstverpflichtungen – erreicht werden kann (Ockenfels & Pahle, 2025).
A path to a heavy-industry climate coalition
Kimberly Clausing, Axel Ockenfels und Catherine Wolfram
2025. In: Industry on the road to 2050, Stephan Raes, Deger Saygin, Antonella Pasetto, Mara Felice, Julia Gaus, Anna Lockwood and Lizzie Sayer (eds.), 83-94. Climate Club.
The U.S. decision to leave the Paris Agreement highlights the challenges of advancing collective climate action through consensus alone. Recognising the limitations of existing international frameworks, such as their susceptibility to free-riding and lack of enforcement, our contribution discusses how to establish a targeted "Heavy-Industry Climate Coalition." This coalition would focus on emissions-intensive industries such as aluminium, iron, steel, cement, and fertilisers. It would encourage participation through co-ordinated carbon pricing and carbon border adjustments, paired with mutual agreements on technology sharing, market access, climate finance and measurement, reporting and verification.
Das Dilemma der Speicherverpflichtung im Gasmarkt: Optimiertes Marktdesign erforderlich
Axel Ockenfels, David Bothe, Matthias Janssen
2025. Wirtschaftsdienst, 105(4), 273-281.
Gasspeicher sind ein zentraler Baustein für eine sichere Energieversorgung und damit für eine funktionierende Wirtschaft und Gesellschaft. Derzeit bietet der Markt jedoch kaum Anreize, die Gasspeicher zu nutzen oder in deren Erhalt zu investieren. Im Gegenteil: Seit November 2024 beobachten wir negative Sommer-Winter-Spreads – das heißt, Gas ist im Sommer teurer als im Winter. Es lohnt sich also für Marktakteure nicht, im Sommer Gas für den Winter einzuspeichern, obwohl der Bedarf in der kalten Jahreszeit deutlich höher ist. Kernursache für dieses umgekehrte Preissignal sind die mit dem Gasspeichergesetz in der Energiekrise 2022 eingeführten Füllstandsvorgaben. Diskutiert werden verschiedene politische und regulatorische Handlungsoptionen wie eine Flexibilisierung der Füllstandsvorgaben, ein Subventionsmechanismus sowie die Vorhaltung einer strategischen Reserve.
Strommarkt – Balance zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit
Veronika Grimm und Axel Ockenfels
2025. ifo Schnelldienst, 2025, 78, Nr. 03, 03-35
Veronika Grimm, Technische Universität Nürnberg, und Axel Ockenfels, Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, Bonn, kritisieren das aktuelle Strommarktdesign in Deutschland, das durch staatliche Eingriffe und fehlende Anpassungen an ein dezentrales Stromsystem ineffizient geworden ist. Die von der Politik bevorzugten Kapazitätsmärkte werden als problematisch angesehen, da sie Marktrisiken verschieben, zu hohen Kosten führen und Fehlanreize verstärken. Stattdessen plädieren sie für ein marktorientiertes Design mit regional differenzierten Strompreisen, einer Stärkung des CO2-Preises und marktbasierter Kapazitätssicherung, um Investitionen und Innovationen effizienter zu steuern und die Energiewende nachhaltig zu sichern.
Who Opts in? Composition Effects and Disappointment from Participation Payments
Sandro Ambuehl, Axel Ockenfels and Colin Stewart
2025. The Review of Economics and Statistics, 107(1), 78–94.
Participation payments are used in many transactions about which people know little but can learn more: incentives for medical trial participation, signing bonuses for job applicants, or price rebates on consumer durables. Who opts into the transaction when given such incentives? We theoretically and experimentally identify a composition effect whereby incentives disproportionately increase participation among those for whom learning is harder. Moreover, these individuals use less information to decide whether to participate, which makes disappointment more likely. The learning-based composition effect is stronger in settings in which information acquisition is more difficult.
Comparison of radiological interpretation made by veterinary radiologists and state-of-the-art commercial AI software for canine and feline radiographic studies
Yero S. Ndiaye, Peter Cramton, Chavdar Chernev, Axel Ockenfels and Tobias Schwarz
2025. Frontiers in Veterinary Science, 12.
As human medical diagnostics are scarcely available, especially in veterinary care, artificial intelligence (AI) has been increasingly used as a remedy. AI promises to improve human diagnostics or provide accurate diagnostics at a lower cost, thereby increasing access. We established whether the performance of commonly used AI matched the performance of a typical radiologist and whether it could be reliably used. Secondly, we sought to identify cases in which AI is effective.