Reinhard Selten
Professor Reinhard Selten wurde 1930 in Breslau geboren. Nach dem Studium der Mathematik und der Promotion 1961 in Volkswirtschaft in Frankfurt am Main war er Gastprofessor in Berkeley und lehrte von 1969 bis 1972 an der Freien Universität Berlin und von 1972 bis 1984 an der Universität Bielefeld. Anschließend nahm er einen Ruf an die Universität Bonn an. Dort baute er das Laboratorium für experimentelle Wirtschaftsforschung auf, dem er als Forschungskoordinator vorsteht.
Professor Selten wurde mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 1994 für zwei Artikel ausgezeichnet, die in den Jahren 1965 und 1975 erschienen sind. Mit diesen beiden Artikeln gelingt Selten ein entscheidender Durchbruch für die Spieltheorie: Durch die Einführung der Konzepte des teilspielperfekten Gleichgewichts und des perfekten Gleichgewichts wird die Menge der Nash-Gleichgewichte drastisch reduziert, weil unglaubwürdige Drohungen ausgeschlossen werden. Selten selbst hat bedeutende Anwendungen seiner Gleichgewichtskonzepte auf ökonomische Fragestellungen geliefert, insbesondere zur Oligopoltheorie.
Neben seinen Arbeiten zur normativen Theorie, die von der Idealwelt vollständig rationaler Individuen ausgeht, beschäftigte ihn stets, und in den letzten Jahren verstärkt, die deskriptive Theorie, also das Verständnis des durch eingeschränkte Rationalität bestimmten menschlichen Verhaltens. Selten führte vor 30 Jahren die experimentelle Wirtschaftsforschung in Deutschland ein, bei der Versuchspersonen unter kontrollierten Bedingungen Entscheidungen in ökonomisch relevanten Situationen zu treffen haben. Ziel der Experimente ist es, durch Auswertung der beobachteten Daten zu deskriptiven Theorien vorzudringen, die das menschliche Verhalten besser erklären und vorhersagen können, als es die normative Theorie zu leisten vermag.
Links
persönliche Homepage:
http://www.bonneconlab.uni-bonn.de/econlab/
Kurzbiografie in wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Selten